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Sexualpädagogisches Konzept


SEXUALPÄDAGOGISCHES KONZEPT – PRÄVENTION SEXUELLER MISSBRAUCH

DES GEMEINDEKINDERGARTEN „KLEINE STROLCHE“

Erstellungsdatum: 02.06.2020 | Hauptstraße 37, 89185 Hüttisheim


 Prävention sexueller Missbrauch 

 

Inhaltsverzeichnis
  1. Einleitung / Begründung

     

  2. Phasen kindlicher Sexualität

     

  3. Umgang mit kindlicher Sexualität

    3.1 Wickel- und Toilettensituation

    3.2 Doktorspiele

     

  4. Sexualerziehung

    4.1 Fachlicher Umgang

    4.2 Umgang mit dem betroffenen Kind

    4.3 Umgang mit dem übergriffig gewordenen Kind

    4.4 Information der Eltern

 

1. EINLEITUNG/ BEGRÜNDUNG:

Kinder sind von Geburt an geschlechtliche Wesen mit körperlichen Wünschen, Bedürfnissen und Interessen. Sie mögen es zu kuscheln und auch den eigenen Körper zu berühren. Eine Trennung zwischen Zärtlichkeit, Sinnlichkeit und Sexualität gibt es bei Kindern nicht. Sie erleben das Schmusen, Kuscheln und Berührungen ihres Körpers als lustvoll und sinnlich.

Sexualität ist nicht nur Genitalität. Sexualerziehung ist weit mehr als die Aufklärung über Geschlechtsorgane, Zeugung und Geburt. 

 

Sexualerziehung ist ein fortlaufender Prozess und vollzieht sich im Laufe der kindlichen Entwicklung immer wieder, entweder als bewusste Mitteilung über Sachverhalte auf dem jeweiligen Entwicklungsstand des Kindes oder aber als „Lernen am Modell“.

 

Hier haben die Erwachsenen eine entscheidende Vorbildfunktion. Kinder bekommen so die Chance, am Vorbild der pädagogischen Fachkräfte zu lernen, dass man auch körperliche Grenzen setzen darf.

 

Sie erleben, dass man nicht anderen zuliebe Zärtlichkeiten erdulden muss – ein grundlegender Aspekt von Prävention vor sexueller Gewalt! Auch in anderen Bereichen sind pädagogische Fachkräfte Vorbild.

 

Ihr Umgang mit Gefühlen, ihre Beziehungsgestaltung zu anderen Erwachsenen, ihr Umgang mit Kindern auch in Bezug auf die Sexualität, ihre Einstellung zu Sexualerziehung und ihre Reaktion auf kindliches Erkundungsverhalten wirken auf das Kind.

 

Sexualerziehung geschieht vorrangig, abhängig von der Erziehungshaltung der Erwachsenen, auch in ihrer Unterschiedlichkeit als Mann und Frau, die sich in alltäglichen Situationen ausdrückt. Grundsätzlich gilt, dass jedes Kind, das alt genug ist für eine Frage, auch alt genug ist für eine Antwort. Die sexuelle Entwicklung ist ein wichtiger Teil der Persönlichkeitsentwicklung und beginnt bereits mit der Geburt.

 

Wie in allen Entwicklungsbereichen benötigen Kinder auch in diesem Bereich unsere Begleitung. Es ist eine große Herausforderung der pädagogischen Fachkräfte, den Unterschied zwischen natürlichen sexuellen Aktivitäten der Kinder und sexuellen Übergriffe unter Kindern zu kennen.

 

Für uns pädagogische Fachkräfte ist es wichtig, den Unterschied zwischen natürlichen sexuellen Aktivitäten der Kinder und sexuellen Übergriffen unter Kindern zu kennen.


2. PHASEN KINDLICHER SEXUALITÄT:


Im Folgenden wird Typisches für die Entwicklungsphasen im Überblick beschrieben.

 

Dabei sollte beachtet werden, dass sich jedes Kind nach seinem eigenen Rhythmus entwickelt und seine individuellen Eigenheiten zeigt, und dass die psychosexuelle Entwicklung des Kindes in Wechselwirkung mit seiner körperlichen und geistigen Entwicklung steht.

 

1. Lebensjahr (orale Phase):

 

Ein Kind, das auf die Welt kommt, ist mit allen Sinnen ausgestattet, um die Welt zu erkunden und zu erfassen, aber die Sinne sind unterschiedlich weit entwickelt.

Von besonderer Bedeutung ist in den ersten Lebensmonaten der Mund: zunächst zum Saugen.

 

In erster Linie saugen die Kinder im ersten Lebensjahr zur Nahrungsaufnahme, unter anderem aber auch zum Erhalt von Wohlgefühl und zur Beruhigung.

 

Das Saugen und Nuckeln sind für das Kind eine sinnliche Freude, die sich bald auf andere Gegenstände überträgt. So wird zum Beispiel das Schmusetuch in den Mund genommen und genussvoll daran genuckelt.

 

Diese Entdeckungsreise gehört zu seinem natürlichen Neugierverhalten und ist wichtig, da sie ein Gefühl für seinen ganzen Körper verschafft.

 

2 - 3 Lebensjahr (anale Phase):

 

Bereits zu Beginn des zweiten Lebensjahres entwickelt ein Kind ein Bewusstsein für Körperausscheidungen und die dazugehörigen Zonen.

 

Somit gehört auch die Erkundung der Beschaffenheit der eigenen Genitalien und später auch die seiner nächsten Angehörigen zum Neugierverhalten von Kindern. 

 

Das Bewusstsein für das eigene Geschlecht, also die sexuelle Identität, wird in der zweiten Hälfte des zweiten Lebensjahres erreicht. Es bedeutet, die Tatsache zweier verschiedener Geschlechter anzuerkennen und sich selbst einem zuzuordnen.

 

Das zweite Lebensjahr ist wesentlich vom Spracherwerb geprägt: Das Kind spricht Erwachsenen nach, erfindet aber auch eigene Begriffe für das, was es in seiner Umwelt erkennt oder formt Gehörtes um.

 

Und so lernt das Kind bereits in diesem frühen Alter, ob es für alles oder einiges, was mit Sexualität zu tun hat, auch Wörter gibt, und wenn ja, welche. 

 

3. Lebensjahr (phallische Phase):

 

In dieser Altersphase zeigt das Kind seinen eigenen Willen und übt seine Widerstandskraft, indem es sich trotzig benimmt.

 

Für seine Persönlichkeitsentwicklung ist es wichtig, dass das Kind mit seinem „Ja“ und „Nein“ von seinen Eltern geachtet wird oder ob diese ihre Vorstellungen durchsetzen.

 

Das Kind erhält die Chance zu lernen, dass es auch selbst bestimmen darf, ob und welche Berührungen es bekommen und geben möchte. Diese wertvolle Fähigkeit, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und anderen gegenüber ausdrücken zu können, soll dem Kind vermittelt werden.

 

Die Sprache ermöglicht dem Kind auch das Benennen der eigenen Gefühle. Kinder im dritten Lebensjahr erkunden ihre Umwelt zunehmend eigenständiger und stellen Erwachsenen „Warum-Fragen“. 


4. Lebensjahr (phallische Phase):

 

Im Alter von vier Jahren sind sowohl die motorischen Fähigkeiten eines Kindes als auch seine psychische Entwicklung weit fortgeschritten.

 

Der Zuwachs an körperlicher Kraft und selbstständigen Bewegungsmöglichkeiten macht Mädchen und Jungen stolz und ermuntert zum Erproben der eigenen Grenzen. Dies ist eine wichtige Phase zur Ausbildung eines Selbstbewusstseins.

 

Gefühle der Scham tauchen insbesondere in Situationen auf, in denen es um Nacktheit geht.

 

Auch in dieser Phase ist es wichtig, Kinder darin zu bestärken, dass Grenzen setzen und Nein-Sagen erlaubt ist.

 

Irgendwann zwischen drei und fünf Jahren entdecken Mädchen ihre besondere „Liebe“ für den Vater und Jungen ihre „Liebe“ für die Mutter. Dies kann auch mit Eifersuchtsgefühlen und Rivalität gegenüber dem anderen Elternteil einhergehen.

 

Im Rollenspiel machen die Kinder gern „Doktorspiele“, bei denen eventuell auch der Genital-/Analbereich untersucht wird.

 

5. Lebensjahr (phallische Phase):

 

Im Alter von vier bis fünf Jahren ist die geistige Entwicklung so weit fortgeschritten, dass die Auseinandersetzung mit dem eigenen und dem anderen Geschlecht eine neue Stufe erreicht. 

 

In Rollenspielen wird die soziale Dimension des Geschlechterverhältnisses weiter gestaltet. Das bei Erwachsenen beobachtete Verhalten als Liebes- und Elternpaar wird nachgeahmt und das Vater- und Mutter-Sein, zum Teil auch im Rollentausch, in Rollenspielen immer wieder ausprobiert. Das neu erwachte Interesse am Geschlechtlichen hat darüber hinaus auch eine körperliche Dimension. 


Es geht darum, Gemeinsamkeiten und Unterschiede durch genaues Betrachten und zum Teil auch durch Berühren und Vergleichen festzuhalten. Bei Doktorspielen wollen die Kinder meist keine Zuschauer. 

 

Dieser Rückzug in die Heimlichkeit drückt den Wunsch nach Intimität aus und sollte, solange das Spielen unauffällig ist, respektiert werden. In diesem Alter kommen häufig die ersten innigen Freundschaften zwischen einem Jungen und einem Mädchen zustande, die meistens mit starken Liebesgefühlen verbunden sind. 


6. Lebensjahr (phallische Phase):

 

Besonders auffällig ist die soziale Konzentration eines Großteils der Jungen und Mädchen auf das eigene Geschlecht, die oft verbunden ist mit der Abwertung des anderen Geschlechts. In dieser Phase suchen die Kinder jeweils die Selbstvergewisserung als Mädchen beziehungsweise Junge. Viele Kinder versuchen durch das ausschließliche Zusammensein mit ihresgleichen ihre Geschlechtsidentität zu stärken.

 

Durch starkes Abgrenzen der Jungen von den Mädchen und auch der Mädchen von den Jungen entwickeln Jungen wie Mädchen oft auch überzogene geschlechtstypische Verhaltensweisen. Nicht nur in diesem Alter, da aber verstärkt, provozieren die Kinder die Erwachsenen mit sexuell gefärbten Witzen sowie Sprüchen und Begriffen aus dem Sexual- und Fäkalbereich.

 

Kinder finden schnell heraus, dass sie Eltern und pädagogischen Fachkräften mit bestimmten Wörtern und Sprüchen herausfordern können, um in ihrem Erleben die sonstige Überlegenheit der Erwachsenen außer Kraft zu setzen. 

 

Die pädagogischen Fachkräfte sollten sich bewusst machen, dass sie das Recht haben, eigene Grenzen und Gefühlsverletzungen deutlich zu machen, und dass sie die Verantwortung für das Klima in der Kindertageseinrichtung tragen. 


3. UMGANG MIT KINDLICHER SEXUALITÄT


Von großer Bedeutung ist es, dass wir im Umgang mit den sexuellen Aktivitäten der Kinder keinen Unterschied zwischen Jungen und Mädchen machen. Die Signale der Kinder zu erkennen, die eventuell darauf hinweisen, dass sie sich in einer Situation unwohl fühlen, ist sehr wichtig. Dabei ist höchste Achtsamkeit geboten!

 

Dieses Feingefühl brauchen wir auch für uns selbst. Kommt es beispielsweise vor, dass ein Kleinkind zum Einschlafen, wie bei der Mutter, seine Hand auf die Brust der pädagogischen Fachkraft legen möchte, erklärt diese, dass sie das nicht möchte und sucht mit dem Kind eine andere Form, um zur Ruhe zu kommen.

 

Die Themen und Fragen der Kinder nehmen wir ernst. Wir bieten ihnen eine angemessene und wertschätzende Atmosphäre, in der sie Diskretion erfahren können. 

 

Sollte eine Einschränkung der kindlichen Sexualität notwendig sein, beispielsweise wenn es darum geht, die Schamgrenzen der anderen Kinder zu akzeptieren, darf dies nicht zu Tabuisierung oder Abwertung führen.


3.1 WICKEL – UND TOILETTENSITUATION IN DER GESAMTEN KITA

 

Die Kinder dürfen selbst entscheiden, ob andere Kinder beim Wickeln zuschauen dürfen oder nicht. Dies kann durch eine verbale Äußerung geschehen, das Personal soll hier aber auch auf Mimik, Gestik und Körperhaltung achten. Wenn es die Situation zulässt, sollen die Kinder auch entscheiden können, wer sie wickelt.

 

Beim Toilettengang geht immer nur jeweils ein Kind in eine Kabine. Wir möchten, dass die Kinder die Toilettenkabinen ausschließlich dafür nutzen, wofür sie vorgesehen sind.


3.2 DOKTORSPIELE

 

Doktorspiele gehen zu weit, wenn:

  • bei einem der Kinder keine Freiwilligkeit herrscht

  • sexuelle Handlungen aus der Erwachsenenwelt nachgespielt werden (auch Zungenküsse oder das Hineinstecken von Gegenständen in Körperöffnungen)

  • einer der beteiligten Kinder Geheimhaltungsdruck ausübt

  • Kinder physisch oder verbal verletzt werden oder sexistische Ausdrücke verwendet werden

  • Rollen erstarrt sind (zum Beispiel ein Kind immer der Doktor ist)

  • Weil Erwachsene bei diesen Spielen immer ausgeschlossen werden, sollten wir pädagogischen Fachkräfte achtsam sein und bestimmte Regeln vereinbaren.

Fünf Regeln für Doktorspiele, die sich in unserem Rollenspielbereich wiederfinden:

 

  1. Mein Körper gehört mir

  2. Wer ein komisches Gefühl hat, sagt NEIN! Und Nein heißt Nein!

  3. Wir spielen das Unterhosen-Guck-Mal-Spiel nur mit Gleichaltrigen

  4. Wir tun uns nicht weh und keiner steckt jemandem etwas in eine Körperöffnung

  5. Wer ein komisches Gefühl hat, holt einen Erwachsenen zur Unterstützung


4. SEXUALERZIEHUNG


Aktive Sexualerziehung ist wichtig, damit Kinder ihr Wissen nicht aus der Alltagswelt (Werbung und Medien) beziehen. 

 

Da es sich um ein sehr sensibles Thema handelt, zu dem es in beinahe jedem Elternhaus andere Überzeugungen gibt, ist Sexualerziehung unserer Meinung nach Aufgabe der Eltern.

 

4.1 FACHLICHER UMGANG MIT SEXUELLEN ÜBERGRIFFEN UNTER KINDERN

 

Trotz aller Regeln kann es zu Grenzverletzungen kommen. Oft geschieht das nicht absichtlich, sondern im Überschwang. Laut Aktion Jugendschutz liegt dann ein sexueller Übergriff vor, „wenn sexuelle Handlungen durch das übergriffige Kind erzwungen werden bzw. das betroffene Kind sie unfreiwillig duldet oder sich unfreiwillig daran beteiligt.

 

Häufig wird dabei ein Machtgefälle zwischen den beteiligten übergriffigen und betroffenen Kindern ausgenutzt, indem z. B. durch Versprechungen, Anerkennung, Drohung oder körperliche Gewalt Druck ausgeübt wird.“

 

Ein sexueller Übergriff kann außer durch Berührungen auch durch sexualisierte Sprache oder Beleidigungen entstehen.

 

Gut zu erkennen ist eine Situation mit sexuellem Übergriff, wenn das betroffene Kind sich verbal darüber äußert, dass es etwas nicht will. Wenn Kinder dies aber nicht tun, brauchen wir viel Feingespür und Achtsamkeit für die entsprechende Situation, um zu erkennen, ob eventuell ein Machtgefälle vorliegt.


4.2 DER UMGANG MIT DEM BETROFFENEN KIND

 

Das betroffene Kind hat immer Vorrang vor dem übergriffigen Kind. Die pädagogische Fachkraft sucht das Gespräch mit ihm und lässt es von dem Vorfall erzählen. Sie tröstet das Kind und macht ihm deutlich, dass das übergriffige Kind sich falsch verhalten hat und sie sich darum kümmern wird, dass so etwas nicht wieder vorkommt. 

 

Um eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen, sind gemeinsame Gespräche mit dem übergriffigen Kind unbedingt zu vermeiden.

 

Oft kommt es vor, dass keine pädagogische Fachkraft den sexuellen Übergriff beobachtet hat, sondern dieser erst dadurch bekannt wird, dass das betroffene Kind davon berichtet. Erschließt sich aus dem Berichteten nicht der genaue Hergang, ist es möglich nachzufragen. 


Hier muss allerdings sehr darauf geachtet werden, dass das betroffene Kind nicht das Gefühl bekommt, man hätte Zweifel am bisher Gehörten.

 

Die Fachkraft muss durch ihr Verhalten deutlich machen, dass das übergriffig gewordene Kind im Unrecht ist und es sich keinesfalls so verhalten hätte dürfen. Das betroffene Kind muss sicher sein, dass ihm keine Schuld gegeben wird.


4.3 DER UMGANG MIT DEM ÜBERGRIFFIG GEWORDENEN KIND

 

In dem Gespräch mit dem Kind, das sich übergriffig verhalten hat, achten wir darauf ihm mit Achtung und Wertschätzung zu begegnen. In sachlicher Weise formulieren wir in diesem Gespräch unsere Haltung zu den Vorfällen. Wir benennen unsere Betroffenheit und drücken das, was sein Handeln ausgelöst hat, verbal aus. Die Verletzbarkeit des betroffenen Kindes soll ihm somit verdeutlicht und anschaulich gemacht werden.

 

Wir sprechen das Vorgefallene noch einmal klar aus, um das Kind mit den Geschehnissen zu konfrontieren.

 

Wir möchten dem übergriffig gewordenen Kind die Grenze, die es überschritten hat, deutlich vor Augen führen und ihm klar vermitteln, dass sein Handeln nicht regelkonform war und von uns nicht geduldet wird. Eine einfühlende Einsicht (Mitgefühl) von Seiten des Kindes ist wünschenswert.

 

Als nächsten Schritt werden passende Konsequenzen für das Handeln des Kindes gesucht und klar ausformuliert. Durch klare Konsequenzen leiten wir die „Entmachtung“ des übergriffig gewordenen Kindes ein. Dem übergriffig gewordenen Kind vermitteln wir abschließend deutlich, dass wir ihm zutrauen, sein Verhalten zu verändern und begleiten es auf seinem Weg.

 

Im Team werden mögliche Konsequenzen für das übergriffig gewordene Kind besprochen. Wichtig ist hierbei, dass sie umsetz- und überprüfbar sind. Das betroffene und das übergriffige Kind werden über Beginn, Dauer und Ende der Konsequenzen informiert. Im Alltag können z.B. folgende zeitlich begrenzte Konsequenzen für das übergriffig gewordene Kind umgesetzt werden:

  • Spielen und Aufhalten nur in einsehbaren Bereichen und in Sichtweite bzw. im Blickfeld einer Erzieherin 

  • Übergabe des Kindes in die Bereiche durch eine pädagogische Fachkraft

  • Keine Doktorspiele

Wenn mehrere Kinder an sexuellen Übergriffen beteiligt waren oder sexuelle Übergriffe wechselseitig stattgefunden haben, kann als Maßnahme auch die vorübergehende Schließung der Kuschelecke oder ein zeitlich begrenztes Verbot von Doktorspielen in Betracht kommen.

 

Ist die abgesprochene Zeit vorbei, ohne dass das Kind übergriffig wurde, teilen wir das dem Kind mit und sprechen ihm unsere Anerkennung aus.


4.4 INFORMATION DER ELTERN 

 

Grundsätzlich behalten wir im Blick, dass Eltern eine unterschiedliche und sehr persönliche Einstellung zu Sexualität haben und eigene Erfahrungen mitbringen, die sie geprägt haben. In den kommenden Entwicklungsgesprächen, sowie Tür-und Angelgesprächen kann das Thema „kindliche Sexualität“ Bestandteil sein, je nach Entwicklung und Interesse der Kinder.

 

In der Regel finden nach einem sexuellen Übergriff anonymisierte Gespräche mit den Eltern des übergriffigen und / oder des betroffenen Kindes statt. Uns ist wichtig den Eltern mit Wertschätzung, Verständnis, Offenheit und ohne Schuldzuweisungen zu begegnen. In jedem Fall möchten wir einer Eskalation entgegenwirken. Maßnahmen und Konsequenzen finden in der Einrichtung statt.

 

Zur Unterstützung wenden wir uns an Fachstellen und empfehlen Eltern diese gegebenenfalls aufzusuchen.